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Referenzprojekte · 2013

Employer Branding ohne Hochglanzbroschüre: Authentisch rekrutieren im Fachkräftemangel

Maschinenbau & Industrie Öffentlicher Podcast 14 Episoden

Steiermark, Maschinenbau. Wenn Hochglanzbroschüren nicht mehr helfen: Wie Ehrlichkeit zum Recruiting-Vorteil wird.

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Fachkräfte zu gewinnen ist schwer. Sie zu halten ist noch schwerer, wenn sie mit falschen Erwartungen anfangen. Dieses Projekt zeigt, was passiert, wenn man aufhört, sich schöner zu machen als man ist - und stattdessen anfängt, ehrlich zu erzählen.

Ausgangssituation

Gute Stellen, schlechte Sichtbarkeit - und Bewerbungen mit falschen Erwartungen

Steiermark, 2013. Der Fachkräftemangel in der Metallindustrie war kein zukünftiges Problem mehr - er war spürbare Gegenwart. Unternehmen außerhalb der städtischen Zentren spürten ihn besonders deutlich: Absolvent:innen aus Technikerschulen und Fachhochschulen zog es nach Graz, Wien oder ins Ausland. Der ländliche Industriestandort galt in der Wahrnehmung vieler Bewerber:innen schlicht als unattraktiv, unabhängig von den tatsächlichen Arbeitsbedingungen.

Das betroffene Unternehmen - ein mittelständischer Maschinenbaubetrieb mit rund 600 Mitarbeitenden, Schwerpunkt Metallverarbeitung und Entwicklung - hatte gute Stellen zu bieten: faire Bezahlung, strukturierte Ausbildung, moderne Fertigungsanlagen, gelebte Mitarbeiterentwicklung. Was fehlte, war eine glaubwürdige Sprache dafür. Die Karriereseite war gepflegt, die Stellenanzeigen formuliert wie alle anderen. Sie vermittelten kein echtes Bild des Unternehmens - sie lieferten dieselben leeren Versprechen, die jeder liefert.

Hinzu kam ein spezifisches, kostspieliges Problem: Bewerber:innen, die über die Hochglanz-Eigendarstellung kamen, starteten oft mit Erwartungen, die nicht zur Realität passten. Frühfluktuation - Abgänge innerhalb des ersten Jahres - war messbar über dem Branchendurchschnitt. Das war nicht nur ein kulturelles Problem, sondern ein finanzielles: jede Neubesetzung kostet. Und ein schlechter erster Eindruck vom Unternehmen kursiert in der Region.

Herangehensweise

Erzählen statt werben - Mitarbeitende als authentische Stimmen

PodLet entwickelte einen Employer-Branding-Podcast, der nicht wirbt, sondern erzählt. Der konzeptuelle Kern: Mitarbeitende aus Produktion, Entwicklung, Qualitätssicherung und Ausbildung sprechen über ihren Arbeitsalltag - ohne Corporate-Script, ohne vorbereitete Sprachregelungen, ohne redaktionelles Feintuning, das den rohen Charakter eines Industriebetriebs wegschleift. Was der Podcast zeigen sollte, war: Wie ist es wirklich, hier zu arbeiten?

Produziert wurde direkt vor Ort im Betrieb, im echten Arbeitsumfeld. Maschinenlärm im Hintergrund war kein Problem, er war willkommen - er war Atmosphäre. PodLet übernahm Technik, Schnitt und Postproduktion; die inhaltliche Steuerung bestand bewusst darin, so wenig wie möglich zu steuern. Das Gespräch sollte fließen, nicht performen. Veröffentlicht wurde über iTunes und direkt auf der Karriereseite des Unternehmens.

Die These: Wer wirklich sucht, findet. Und wer findet, soll wissen, was ihn erwartet. Reichweite war nicht das Ziel - Qualität der Kontakte war das Ziel. Das ist eine Umkehrung der üblichen Logik von Employer-Branding-Kampagnen, die auf maximale Sichtbarkeit setzen. Hier war Selektivität Programm.

Ergebnisse

Weniger Fluktuation, bessere Bewerbungen - und ein Podcast, der im Onboarding landet

Zwei Staffeln, 14 Episoden über zwei Jahre. Die Abrufzahlen waren überschaubar - das war weder überraschend noch das Ziel. Das Ziel war Qualität der Kontakte, nicht Reichweite. Und die Qualität veränderte sich messbar. Die Bewerbungen, die nach Veröffentlichung des Podcasts eingingen, kamen von Menschen, die sich vorab informiert hatten - mit realistischeren Erwartungen, konkreteren Fragen und einer erkennbar stärkeren Motivation, genau in diesem Unternehmen zu arbeiten.

Das HR-Team berichtete von Vorstellungsgesprächen, in denen Kandidat:innen explizit auf Inhalte aus dem Podcast Bezug nahmen. Das signalisiert Interesse, nicht Opportunismus - und führt zu anderen Einstellungsgesprächen. Die Frühfluktuation sank spürbar. Ob der Podcast der alleinige Treiber war, lässt sich nicht isolieren - aber die zeitliche Koinzidenz und die qualitativ veränderten Bewerbungen sprachen eine klare Sprache.

Das Unternehmen setzte einzelne Folgen schließlich auch im Onboarding ein - als Einstieg für neue Mitarbeitende, die die Unternehmenskultur aus erster Hand kennenlernen wollten, bevor sie die ersten Schritte auf dem Werksgelände machten. Ein Format, das als Recruiting-Tool begann, wurde zum Kulturträger. Das war so nicht geplant - aber es ist die Logik von ehrlichem Content: Er wirkt länger als beabsichtigt, und er wirkt woanders als erwartet.

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