Referenzprojekte · 2007
Mitarbeitende im Außendienst erreichen, wenn die E-Mail versagt
Österreich, Regionalversorger. Interne Kommunikation in der Liberalisierungsphase des Energiemarkts - für eine Mannschaft, die den Großteil des Tages unterwegs ist.
Was passiert, wenn ein Unternehmen in Bewegung ist - im wörtlichsten Sinne? Wenn die Belegschaft nicht am Schreibtisch sitzt, E-Mails kaum liest und das Intranet auf dem Diensthandy 2007 noch keine Rolle spielte? Dieses Projekt aus dem Jahr 2007 zeigt, wie ein früher Einsatz von Audio-Content eine strukturelle Kommunikationslücke schließen konnte.
Ausgangssituation
Ein Betrieb im Wandel - und eine Mannschaft, die niemand erreicht
Österreich, 2007. Podcasting war in Deutschland und den USA noch ein Nischenmedium für Tech-Enthusiasten - in österreichischen Unternehmen war das Format quasi unbekannt. Kein Spotify, keine Podcast-Apps auf dem Smartphone, und den Begriff „Corporate Podcast" gab es noch nicht einmal als Konzept. In diese Situation hinein entstand das erste interne Audioformat, das PodLet für ein Unternehmen umsetzte.
Ein mittelgroßer Regionalversorger im Energie- und Gassektor stand vor einem strukturellen Problem: Rund 400 Mitarbeitende, davon ein Großteil im Außendienst. Während die Liberalisierung des Strom- und Gasmarkts auf Hochtouren lief und täglich neue regulatorische und operative Entwicklungen brachte, erreichte die Unternehmenskommunikation die mobile Belegschaft schlicht nicht. Das Intranet war für Menschen kein tauglicher Kanal, die ihren Tag zwischen Trafostationen, Hausanschlüssen und Kundenterminen verbringen.
Der Betriebsrat meldete in einer internen Befragung Besorgniserregendes: Viele Außendienstmitarbeitende erfuhren wichtige Unternehmensnachrichten erst aus der Zeitung - oder gar nicht. Die Folge war ein schleichendes Vertrauensproblem. Wer das Gefühl hat, nicht informiert zu werden, identifiziert sich weniger mit dem Unternehmen. Für ein Unternehmen in einer Transformationsphase war das kein akademisches Problem, sondern ein operatives.
Herangehensweise
Ein Audiomagazin für die Frühphase des Podcastings
PodLet war 2007 eines der ersten österreichischen Produktionshäuser, das internen Audio-Content als professionellen Kommunikationskanal entwickelte. Das bedeutete: keine Vorlage, keine Benchmark, kein erprobtes Modell. Die technische Infrastruktur musste erst erarbeitet werden - von der Aufnahmetechnik bis zur Distribution auf Geräten, die noch kein Betriebssystem für Podcast-Apps kannten.
Die Lösung war pragmatisch und konsequent: Ein monatliches internes Audiomagazin, zehn bis zwölf Minuten lang, zweigleisig angelegt. Beiträge aus der Geschäftsführung wechselten sich ab mit O-Tönen aus dem Außendienst - beide Seiten bekamen eine Stimme. Die Distribution lief über einen internen Server per RSS-Feed und über firmeneigene MP3-Player, auf die Episoden zur Offline-Nutzung vorab überspielt wurden. So konnte auch jemand ohne Internetverbindung unterwegs hören.
Die Produktion fand einmal monatlich statt - ein halber Produktionstag in der Zentrale. Interviewpartner waren Teamleitende und Außendienstmitarbeitende aus verschiedenen Regionen. Keine professionellen Sprecher, keine ausformulierten Scripts - das war bewusste Entscheidung. Das Ergebnis sollte klingen wie echte Kommunikation, nicht wie Unternehmenskommunikation. Der Unterschied ist hörbar. Und er wird gehört.
Ergebnisse
Drei Jahre, 34 Episoden, messbar mehr Vertrauen
Das Format lief drei Jahre und produzierte 34 Episoden, bevor es in eine modernere Plattforminfrastruktur überführt wurde. Die Kontinuität allein war ein Signal nach innen: Wer über drei Jahre monatlich liefert, zeigt, dass Kommunikation ernst genommen wird - nicht als Projekt, sondern als Haltung.
Der messbarste Effekt zeigte sich in der jährlichen Mitarbeiterbefragung: Der Punkt „Ich fühle mich von meinem Unternehmen ausreichend informiert" verbesserte sich signifikant gegenüber dem Baseline-Wert vor Einführung des Formats. Für die Kommunikationsabteilung war das der Beweis, den sie intern brauchte - und der die Fortsetzung des Formats über drei Jahre sicherte.
Weniger messbar, aber von der Unternehmensführung wiederholt hervorgehoben: Die Qualität informeller Gespräche veränderte sich. Außendienstmitarbeitende bezogen sich in Meetings auf Dinge, die sie im Audio gehört hatten. Das war in dieser Form vorher nie passiert. Für PodLet war dieses Projekt ein früher Beleg für etwas, das wir seither in vielen Projekten bestätigt sehen: Audio funktioniert besonders gut dort, wo Menschen in Bewegung sind - im Außendienst, auf der Fahrt, zwischen Terminen. Der Bildschirm ist nicht immer dabei. Das Ohr schon.
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Ob erster Schritt oder laufendes Format - wir bringen die Erfahrung aus 20 Jahren in Ihr Projekt.