Nach jeder Podcast-Episode stellt sich die gleiche Frage: Wie läuft es eigentlich? Die gute Nachricht: Es gibt Daten. Die schlechte Nachricht: Viele dieser Zahlen sagen weniger aus, als man denkt. Dieser Artikel hilft Ihnen, die richtigen Kennzahlen von den irreführenden zu trennen.
Downloads - die Basisgröße mit Tücken
Downloads sind das Erste, was Podcast-Hosting-Plattformen anzeigen. Sie messen, wie oft eine Episode heruntergeladen oder gestreamt wurde - und zwar nach IAB-Richtlinien bereinigt, also ohne Bots und mehrfache Requests innerhalb kurzer Zeit.
Das Problem: Ein Download bedeutet nicht, dass jemand die Episode auch gehört hat. Automatische Abonnements laden neue Episoden oft im Hintergrund herunter - ob der Nutzer danach tatsächlich reinhört, weiß man nicht. Downloads sind trotzdem die wichtigste Vergleichsgröße im Markt, weil alle Plattformen sie nach den gleichen Standards berechnen.
Ein realistischer Richtwert für einen Corporate Podcast im deutschsprachigen Raum: 200 bis 500 Downloads in den ersten 30 Tagen nach Veröffentlichung gelten als solider Start. Alles darüber ist gut, alles darunter kein Grund zur Panik - vorausgesetzt, die richtigen Menschen hören zu.
Completion Rate - die ehrlichste Kennzahl
Die Completion Rate gibt an, wie viel Prozent einer Episode durchschnittlich gehört wird. Sie ist die aufschlussreichste Zahl, die Podcast-Plattformen liefern - weil man sie nicht fälschen kann.
Eine Completion Rate von 70 bis 80 Prozent gilt als sehr gut. Liegt sie dauerhaft unter 40 Prozent, deutet das auf ein strukturelles Problem hin: zu langes Intro, schwacher Einstieg, zu langgezogene Episoden. Bricht die Rate bei einer bestimmten Minute ein, sollte man genau an dieser Stelle nachschauen, was dort passiert.
Für Corporate Podcasts ist die Completion Rate besonders wertvoll, weil die absolute Hörerzahl manchmal zweitrangig ist. Eine Episode mit 150 Hörern, die alle bis zum Ende zuhören, ist für viele Ziele wertvoller als eine Episode mit 500 Hörern, die nach fünf Minuten abbrechen.
Was man getrost ignorieren kann
Social-Media-Likes und Shares klingen gut, sagen aber wenig über die tatsächliche Nutzung aus. Jemand, der einen Podcast-Post liked, muss die Episode nicht gehört haben. Follower-Zahlen auf dem Podcast-Profil sind noch weniger aussagekräftig.
Auch die Gesamtzahl der Abonnenten ist mit Vorsicht zu genießen. Viele Abonnements sind passiv - Nutzer haben eine Show mal abonniert und hören seit Monaten nicht mehr rein. Was zählt, ist nicht die Abonnentenzahl, sondern die aktive Hörerschaft pro Episode.
Die unterschätzte Metrik: Qualitatives Feedback
Keine Kennzahl ersetzt das direkte Feedback. Wer hört Ihren Podcast? Warum? Was hat eine Episode ausgelöst - ein Gespräch, eine Anfrage, einen Deal? Diese Informationen kommen nicht aus Dashboards, sondern aus Gesprächen.
Viele Corporate-Podcast-Teams unterschätzen, wie wirkungsvoll ihre Show ist, weil sie nur auf die Zahlen schauen. Ein Podcast mit 300 regelmäßigen Hörern aus der Zielgruppe kann mehr Wirkung entfalten als ein Podcast mit 3.000 zufälligen Hörern - wenn die 300 die richtigen Entscheidungsträger sind.
Welche Zahlen in die interne Berichterstattung gehören
Für die meisten Corporate-Podcast-Teams empfehlen wir vier Kennzahlen für das monatliche Reporting: Downloads pro Episode (Trend über Zeit), Completion Rate (Qualitätsindikator), Hörer pro Monat (Reichweite) und qualitatives Feedback (Einordnung). Mehr braucht es in der Regel nicht, um ein klares Bild des Podcast-Erfolgs zu zeichnen.
Was nie in ein Reporting gehört: rohe Downloadzahlen ohne Kontextualisierung, kurzfristige Schwankungen nach einzelnen Episoden und Vergleiche mit Shows, die eine völlig andere Zielgruppe haben.
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